Mittwoch, 7. Dezember 2011

Magische Selbstmordattentäter contra Doppeldeckerbomber

"Im Namen der Götter" ist ein verdammt spannendes Stück Lesestoff, um das direkt mal gesagt zu haben.
Piper, 314 Seiten
Die Geschichte spielt in den  beiden Nachbarländern Altima und Bartokhrin, die seit Jahrzehnten verfeindet sind. Die beiden Länder könnten unterschiedlicher nicht sein. Altima ist industrialisiert klassisches Steampunk oder in dem Fall eher Benzinpunk. Technisch befindet sich Altima ungefähr auf dem Stand um 1925 vom Flair her erinnert es aber eher an das Victorianische England. Bartokhrin dagegen ist Wilder Westen gemischt mit Vorderem Orient. Die Leute reiten auf Pferden, tragen Cowboyhüte, betreiben Viehzucht und Ackerbau, die Frauen verstecken sich hinter massives Make-Up und Perücken vor den Augen fremder Männer und die Sozialen wie religiösen Regeln sind extrem streng. Bartokhrin ist zwar nominell unabhängig wird aber von Altima in allen Belangen dominiert.
Chamus, ein junge aus Altima entgeht knapp einem Selbstmordanschlag auf seine Schule, damit beginnt sein Albtraum. Nach der Notlandung in Bartokhrin lernt er Riadni kennen, ein rebellisches Mädchen, das ihn gefangen nimmt um ihn den Freiheitskämpfern zu übergeben. Als Die Altima töten wollen greift Riadni entsetzt ein und zusammen begeben sich die beiden auf eine wilde Flucht durch die Wildeniss Barthokrins. Im Zuge dieser Flucht decken sie einen schrecklichen Plan auf in den auch Altimas Familie verwickelt ist. Schaffen es die beiden den offenen Krieg zwischen ihren Ländern zu verhindern?

Die Story ist nicht unbedingt neu, aber gut erzählt und spannend geschrieben. Oisin McGann beweist das man durchaus ein moralisches Buch schreiben kann ohne ständig den Zeigefinger zu heben oder eine der beiden Seiten als ultimativ böse darzustellen. 
das als Fantasy-Thriller gekennzeichnete Buch hätte weit über diese Genrezuordnung hinaus Leser verdient. Es ist faszinierend wie spielerisch der Autor die Entstehung von Vorurteilen und Hass erklärt und darin liegt auch die Genialität des Buches. Keiner der Charaktere ist wirklich böse, keiner wirklich gut, der Leser muss selber entscheiden, bekommt fast versteckt die Frage gestellt, wo die Grenze liegt zwischen Freiheitskampf und Terrorismus, Unterdrückung und wirtschaftlicher Hilfe und welches Gesselschaftsmodel denn das bessere ist. Dabei erhebt das Buch nie den Zeigefinger nimmt nie einen Standpunkt ein, es ist nie moralisierend. 

Das Buch wäre sicher ein gutes Jugendbuch geworden und ist für jüngere Leser sicher auch empfehlenswert, aber es würde dem Buch nicht gerecht. Es hat mich in seinen Bann gezogen von der ersten Seite an, es passiert mir selten das ich ein Buch in einem Rutsch durchlese, aber genau das hat das Buch geschafft. Neben dem Wunsch herauszufinden was denn als nächstes passiert waren es vorallem die ungestellten moralischen Fragen die mich wach und am Lesen gehalten haben, das sogar ohne Kaffee der war nämlich gerade ausgegangen.

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